Fair(er)Phone: Der Weg ist das Ziel

Eric MirbachNachhaltige Kommunikation

tippingpoints – FairPhone: Wie fair ist es wirklich?

Apple, Samsung & Co machen bei Smartphones maximalen Profit zulasten der für die Produktion eingesetzten Arbeiter. Der Skandal beginnt bei der Gewinnung der Rohstoffe und gipfelte in Selbstmorden beim chinesischen Hersteller Foxconn (u.a. Apple und Sony produzieren hier). Ein kleines Start-Up aus den Niederlanden versprach endlich eine Alternative. Das FairPhone sollte frei sein von seltenen Erden aus Krisengebieten, es sollte nicht unter menschenunwürdigen Bedingungen montiert werden und man erklärte, entlang der gesamten Produktionskette eine faire Bezahlung der Arbeiter gewährleisten zu wollen. Das Fairphone versprach außerdem eine deutlich längere Halbwertszeit der Hardware, es sollte mit einem universellen Stromanschluss und mit einem problemlos auszutauschenden Akku ausgestattet sein. Fair also nicht nur gegenüber den Produzenten sondern auch gegenüber den Käufern – oder?

FairPhone gegen Goliath

Das Crowdfunding fruchtete, gut 5000 Vorbestellungen gingen bei FairPhone ein und die erste Charge wurde schnell Realität. Und das zu einem vergleichsweise günstigen Preis von 310,- EUR. Ein paar Tausend FairPhones bringen die Großen der Branche zwar nicht ins Wanken, aber die Niederländer lieferten den Beweis, dass es einen Markt gibt für jene, die es anders machen wollen. Apple, Sony und Samsung kommen in Erklärungsnot.

Wirkliche Veränderung bei Apple und Samsung?

Immerhin verkündete Apple auf seiner Website die selbst auferlegte „Supplier Responsibility“ und Samsung hat mit seinem Galaxy S4 einiges besser gemacht. Doch leider erweitert Samsung den S4-Teilerfolg nicht konsequent auf das gesamte Angebot und wie viel von Apples Regelwerk in der Realität umzusetzen ist, lässt sich hier nachlesen – nicht so viel. Also doch alles Augenwischerei?

Allerdings: Auch das FairPhone blieb hinter den hohen Erwartungen zurück. Tatsächlich konnten die Niederländer einige wichtige selbstgesteckte Ziele nicht erreichen.

Der Weg ist das Ziel

Wer sich einliest, lernt unterm Strich vor allem eins: Das ist alles nicht so einfach mit der Kontrolle der Produktion am anderen Ende der Welt. Was aber wohl mit Fug und Recht gefragt werden darf, ist, warum nur das kleine Start-Up aus den Niederlanden aufsteht, sich grade macht und soziale Verantwortung übernimmt. Bei Fairphone will man durch Transparenz die Produktion verändern und setzt neue Prozesse in Gang, selbst wenn dafür unterwegs Kompromisse gemacht werden müssen. Nur ein wissender Konsument kann auch bewußt entscheiden. Es muss ihm allerdings um mehr gehen als „nur“ Funktionalität und Design. Dass ein kleines Start-Up wie Fairphone nicht sofort alle alten Strukturen einreißen kann, ist klar. Aber FairPhone hat Fragen beantwortet, die andere gar nicht gestellt haben. Smartphone-Nutzer haben jetzt eine Wahl – spätestens bei der nächsten Vertragsverlängerung.

(Eric Mirbach)